»Storytelling« - »Ein gelungenes Buch und ein schönes Weihnachtsgeschenk«

Rezension
»Storytelling« - »Ein gelungenes Buch und ein schönes Weihnachtsgeschenk«

Eine Empfehlung von Dr. Thomas Lapp

Cover Storytelling

 

Wie es sich für ein Buch über das Erzählen von Geschichten gehört, lesen wir in der Einleitung schon bald die Worte »... es war einmal ...«.

 

Die Autorin erzählt, wie sie mit einer im richtigen Zusammenhang erzählten Geschichte einer Freundin sehr geholfen hat. Hanna Milling erklärt zunächst, welche Wirkungen von (erzählten) Geschichten ausgehen. Menschen sind geborene Geschichtenerzähler und schon Kinder lieben es, wenn ihnen Geschichten erzählt oder vorgelesen werden. Geschichten schaffen es aber auch, Herz und Verstand zu erreichen. Geschichten berühren uns immer. Wir identifizieren uns mit den Protagonisten oder grenzen uns von Ihnen ab - aber immer setzen wir uns mit ihnen auseinander.

 

Ein großer Vorteil von Geschichten besteht darin, dass wir selbst entscheiden können, wie weit wir uns darauf einlassen. Dazu ist es nicht erforderlich, die menschlichen Charaktere durch Tierfiguren zu ersetzen, wie es in der Fabel geschieht. Nach der Wirkungsweise beschreibt Milling einfühlsam den praktischen Einsatz von Geschichten, beginnend mit der Einleitung. Ist der Erzählende mit sich selbst im Reinen und insbesondere überzeugt, dass die ausgewählte Geschichte an dieser Stelle erzählt werden sollte, werden die Zuhörer aufmerksam sein. Wie bei allen Handlungen in einer Mediation ist das der Schlüssel zum Erfolg.

Gerade in kritischen Situationen einer Mediation wird der Wechsel zu einer Geschichte meist mit Erleichterung aufgenommen. Die Konfliktparteien können sich entspannen und zuhören. Auch die mögliche Ablehnung als zweite große Sorge kann die Autorin aus ihrer Praxis den Lesern nehmen. Selbst wenn Medianden nach der Erzählung irritiert oder gar ablehnend reagieren, kann dies mit leichter Hand sinnvoll aufgegriffen werden. Dann wird mit den Medianden darüber diskutiert, warum diese Geschichte nichts mit ihrer Situation zu tun hat und die Protagonisten sich völlig anders verhalten als sich selbst. In jedem Fall ist es möglich, ohne Verletzung der Medianden anhand der Protagonisten über die Geschichte zu sprechen. Nicht selten kommen die Beteiligten im weiteren Verlauf der Mediation immer wieder auf die Geschichten zurück. Besonders spannend sind dann die von Milling dargestellten fünf Praxisbeispiele, in denen sie über den Einsatz von Geschichten in unterschiedlichen Bereichen berichtet. Sie beschreibt jeweils die Ausgangssituation, die von ihr gewählte Geschichte und die Reaktion der Medianden.

Für alle, die nun unbedingt loslegen wollen, aber nicht genügend Geschichten auf Lager haben, hält das Buch 101 Geschichten für die Konfliktarbeit bereit. Bei den Geschichten wird jeweils angegeben, welche Themen damit angesprochen werden können. Dies hilft bei der Auswahl der passenden Geschichte. Nebenbei macht es auch viel Spaß, diese Geschichten zu lesen und sich zu überlegen, in welchen Situationen die einzelne Geschichte helfen könnte bzw. hätte helfen können.

Ein gelungenes Buch und ein schönes Weihnachtsgeschenk.



Informationen zum Buch und Leseprobe



Rezensent:

 

RA und Mediator Dr. Thomas Lapp

 

Dr. Thomas Lapp – Rechtsanwalt und Mediator
Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Mediation im Deutschen Anwaltverein (DAV) e. V.
Präsident des Deutschen Forums für Mediation (DFfM)
IT-Kanzlei dr-lapp.de GbR

 

 

 

 

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Eine Anleitung zur Erzählkunst mit hundertundeiner Geschichte
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34,95 €incl. MwSt.
Gebunden, 268 Seiten, am 24. Juni 2016 erschienen