Supervision, Mediation, Coaching – kennen Sie die Unterschiede?

Andere konsensuale Verfahren
Supervision, Mediation, Coaching – kennen Sie die Unterschiede?

Eine kleine Einführung in das Beratungsformat Supervision

Carla van Kaldenkerken

Carla van Kaldenkerken
Berufsbezogene Beratungsformate wie Coaching, Supervision, Mediation und Organisationsberatung werden immer bekannter und zunehmend genutzt, um in unserer Arbeitswelt die Handlungsfähigkeit von Personen, Gruppen und Organisationen wiederherzustellen oder zu verbessern.

Die Begriffe Coaching, Supervision, Mediation werden im Feld der berufsbezogenen Beratung allerdings nebeneinander für ähnliche Kundenanliegen dargestellt und sind für den Kunden unscharf, wenn nicht sogar verwirrend. Aber nicht nur für den Kunden stellt sich die Beratungslandschaft unklar dar. Auch die Berater selber verwischen die Grenzen und Rollen aus verschiedensten Motiven. Die Verordnung zum Mediationsgesetz hat zur weiteren Verwirrung beigetragen.

Im Zusammenhang mit dem Mediationsgesetz hat Supervision zwar einen festen Platz in der Ausbildung und Qualitätssicherung für Mediatoren bekommen, doch reduziert die »Zertifizierungsverordnung« (ZMediatAusbV) die Begleitung der ersten Fälle auf ein einmaliges Einzelgespräch, für das der Begriff Supervision aus fachlicher Sicht falsch gewählt ist.

Wer auch immer den Fachbegriff Supervision in die Verordnung gebracht hat: von der Tradition und Profession der Supervision haben die AutorInnen leider keine Ahnung. Eine Sitzung im Einzelsetting zur Beratung der ersten eigenen Praxis und zur Qualitätssicherung, so wie es die Verordnung vorsieht, kann vermutlich nicht mehr leisten, als eine Fachberatung und Bewertung des Mediationsprozesses. Die komplexe Reflexion des beruflichen Handels in der Rolle als Mediator bezogen auf den Kunden, die eigenen Person, die Fachlichkeit, die Rolle u.a. ist in einer Sitzung nicht leistbar.

Das verstärkt die Unklarheit darüber, was Supervision eigentlich ist, schafft nicht den Nutzen, den Supervision für Berufsanfänger und Lernende haben könnte und versäumt den respektvollen Umgang mit der Nachbarprofession. Da es immer wieder zu Unklarheiten in der Abgrenzung von Mediation und Supervision kommt und Mediatoren sich auch als Supervisoren ausweisen, soll diese kleine Einführung zum Beratungsformat Supervision zu mehr Klarheit beitragen.

 

Die Geschichte der Supervision

Supervision hat verschiedene Ursprünge und eine ihrer ersten Wurzeln ist eng verbunden mit der Entwicklung der Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten und England im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Die ehrenamtlichen Helfer (Volunteers) der ersten freiwilligen Wohlfahrtsangebote wurden von bezahlten Hauptamtlichen, den sogenannten Paid Agents begleitet. Diese Begleitung fand in beratenden Gesprächen statt.

Die zweite Wurzel der Supervision liegt in der 1920 am Berliner Psychoanalytischen Institut eingeführten Kontrollanalyse. Im Rahmen dieser Säule der Psychoanalytikerausbildung stellten angehende Psychoanalytiker einem erfahrenen Ausbilder, dem Kontrollanalytiker, ihre Fälle vor.

Als dritte Wurzel der Profession wird die, von dem Psychiater und Psychoanalytiker Michael Balint in den 1940er-Jahren entwickelte Gruppenarbeit zur beruflichen Selbsterfahrung, genannt. Sein Anliegen war es, Ärzte dahingehend zu trainieren, sich selbst und ihre Gefühle als Instrument in der Behandlung von Patienten zu nutzen. Dieses Konzept der Balint-Gruppenarbeit hat heute in vielen Supervisionsansätzen einen zentralen Stellenwert.

Supervision heute

Mit der Professionalisierung und Akademisierung der Sozialarbeiterausbildung erhielt Supervision einen stärkeren Stellenwert in der Ausbildung. Damit wuchs in Deutschland der Bedarf an Supervisoren und ab 1964 entstanden erste Ausbildungsgänge. In den Folgejahren starteten viele Ausbildungsgänge an privaten Instituten und 1974 startete die Universität Kassel den ersten Diplomstudiengang für Supervision. Bis dahin meist nur in sozialen Arbeitsfeldern bekannt und dort früh zur Qualitätssicherung, Professionalisierung und zum Gesundheitsschutz eingesetzt, wurde Supervision als berufsbezogene Beratungsform zur Verbesserung der beruflichen Handlungsfähigkeit in den letzten Jahren weit über dieses Berufsfeld hinaus bekannt.

1989 wurde der Berufsverband Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv) gegründet. Die Gesellschaft stellt sich in ihrer Broschüre »Supervision – ein Beitrag zur Qualifizierung beruflicher Arbeit« als soziale und gesellschaftliche Akteurin vor, deren Engagement der Gestaltung einer modernen und verantwortbaren Arbeitswelt gilt. Über 4000 Mitglieder sowie 27 Akademien, Hochschulen und Weiterbildungsunternehmen sind in der DGSv als persönliche und juristische Mitglieder aktiv, um Supervision auf dem Beratungsmarkt und in der Fachöffentlichkeit in lebendigem Diskurs zu profilieren.

Seitdem hat der Dialog zwischen den verschiedenen methodischen Schulen und die fachliche Auseinandersetzung mit den Nachbardisziplinen das Format Supervision sehr bereichert. Die Profession Supervision hat sich heute gemäß der Selbstdarstellung des Berufsverbands mit einem methodenübergreifenden, wissenschaftlich fundierten und praxisorientierten Konzept für personen- und organisationsbezogene Beratungstätigkeiten in der Arbeitswelt weiterentwickelt.

Supervision ist neben der Organisationsberatung, dem Konfliktmanagement, der Fachberatung und dem Coaching ein Format berufsbezogener Beratung. Sie grenzt sich insbesondere durch den Arbeitsgegenstand (dem beruflichen Bezug), die Komplexität und Bearbeitungstiefe der Reflexion von den Nachbarprofessionen ab und wird im Gegensatz zur Mediation nicht bei Konflikten, sondern auf weniger hohem Eskalationsniveau eingesetzt. Die besondere Qualität dieser personenbezogenen Beratung von Fachkräften und Führungskräften liegt im reflexiven Bearbeitungsmodus beruflicher Themen. Die Überprüfung und Verbesserung der Praxis, des beruflichen Handelns und der professionellen Interaktionen von Einzelnen und Organisationseinheiten sind Gegenstand der Beratung. Die Einflüsse meist unbewusster Grundannahmen und Leitbilder – seitens der Person, der Profession, der Klienten oder auch der Organisation – auf das berufliche Handeln werden analysiert, die unbewussten Steuerungsprogramme erforscht und so der Reflexion zugänglich gemacht.

Genau diese Erforschung der unbewussten Steuerungsprogramme und die damit verbundene Tiefe der Reflexion machen das Besondere und weit über Alltagsreflexionen unter Kollegen Hinausgehende an einer professionell angeleiteten Supervision aus. Sie besteht in der Hinleitung zu einem komplexen Verstehen beruflicher Probleme und ihrer zugrundeliegenden Steuerungsprogramme. Erst damit werden die Überprüfung des beruflichen Handelns, die Entwicklung von Handlungsalternativen und eine flexible und professionelle Gestaltung von Arbeits- und Klienten-/Kundenbeziehungen möglich.

Formen von Supervision

Im Beratungsformat Supervision gibt es folgende Programme:

  • die klientenbezogene Supervision, meist als Fallsupervision beschrieben;
  • die kooperationsbezogene Supervision, i. d. R. als Teamsupervision etikettiert;
  • die rollenbezogene Supervision, die häufig in der Einzelberatung zu Themen von Führung, Karriereplanung und Rollenklärung im Beruf stattfindet;
  • die Ausbildungssupervision zum Erlernen einer neuen Profession oder Methode sowie
  • die Organisationssupervision, die strukturelle Aspekte fokussiert.

 

 Inhalte und ZieleSettingsBearbeitungszugänge und Qualifikation

klienten-/ kundenbezogene Supervision

fachliche Fragen, Klienten-Fachkraft-Beziehung, Qualitätssicherung,

persönliche und fachliche Prophylaxe,

Klienten- und Aufgabenbezug stärken,

konzeptionelle Weiterentwicklung

Fallsupervision mit Stranger-Groups, Abteilungen, Teams, Funktionsgruppen, Einzelpersonen

Kenntnisse in Fallsupervision oder Balintgruppenarbeit

Kooperationsbezogene Supervision

Aufgaben- und Klientenbezug stärken,

Kooperation und Handlungsfähigkeit in Teams und Projektgruppen wiederherstellen, stärken und verbessern

»Team«-Supervision

Teams, i. d. R. Einzelsupervision,

Führungskräfte in Einzelberatung/Coaching

Kenntnisse in
Institutionsanalyse, Selbstthematisierung, Konfliktberatung sowie Elemente aus der Teamentwicklung und Organisationsberatung

rollenbezogene Supervision

Rollen- und Aufgabenklärung in der beruflichen Funktion,

Erwartungsklärung zwischen Rolle, Organisation, Kunden,

Karriere- und Berufswegeplanung,

Rollensicherheit in Führungsaufgaben

Teile einer Ausbildungsgruppe/
eines Studiengangs,

einzeln und als Gruppe

Kenntnisse in Institutionsanalyse,

Rollenberatung,

Expertise in Managementfragen,

Karriereberatung

Ausbildungssupervision

Begleitung beim Erlernen einer neuen Profession oder Methode,

Praxis fachkundig begleiten,

Rolle klären,

Berufsidentität stärken,

fachliche Lücken schließen

Projektgruppen,

Führungskräfte,

Steuerungsgruppen,

Teams und Arbeitsgruppen

Kenntnisse in
Fallsupervision,

Rollenberatung,

Fachexpertise für die Profession oder Methode,

Marketingfragen

Organisationssupervision

Strukturberatung im Zusammenhang mit Kooperationsfragen,

Begleitung einzelner Akteure bei Veränderungs-prozessen

Projektgruppen,

Abteilungen,

Funktionsgruppen

Kenntnisse in
Institutionsanalyse, Selbstthematisierung,

Konfliktberatung sowie Elemente aus der Teamentwicklung und Organisationsberatung


Zur Autorin


Carla van Kaldenkerken

Geschäftsführende Gesellschafterin der Beratungsfirma step

Dipl. Sozialpädagogin, Supervisorin, Coach, Ausbildungsleiterin, Lehrsupervisorin (DGSv), Mediatorin, Ausbilderin für Mediation (BM e.V.) Organisationsberaterin www.stepberlin.de

 

 
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Broschiert, 232 Seiten, im September 2014 erschienen