Supervision, Mediation, Coaching – Unterschiede und Präzisierungen – Teil 1

Supervision und QVM 2019
Supervision, Mediation, Coaching – Unterschiede und Präzisierungen – Teil 1

Einführung in das Beratungsformat Supervision und die Relevanz für MediatorInnen im Kontext von MediationsG, ZMediatAusbV und QVM 2019

von Carla van Kaldenkerken

Carla van Kaldenkerken

 

 

Die berufsbezogenen Beratungsformate wie Coaching, Supervision, Mediation und Organisationsberatung werden immer bekannter. 

 

Sie dienen dazu, die Handlungsfähigkeit von Personen, Gruppen und Organisationen in unserer Arbeitswelt wiederherzustellen oder zu verbessern.

 

Die Relevanz v. a. der Supervision für MediatorInnen wird im Kontext von MediationsG, ZMediatAusbV und QVM 2019 deutlich.  

 

1. Einführung

Die Begriffe Coaching, Supervision, Mediation werden im Feld der berufsbezogenen Beratung allerdings von BeraterInnen häufig nebeneinander für ähnliche Kundenanliegen dargestellt und sind für KundInnen unscharf, wenn nicht sogar verwirrend. Aber nicht nur für die KundInnen stellt sich die Beratungslandschaft unklar dar. Auch die BeraterInnen selbst verwischen die Grenzen und Rollen aus verschiedensten Motiven. Leistungsfähiger werden die Beratungen, wenn die KundInnen zu ihren Anliegen die passende Begleitung angeboten bekommen, in komplexen Beratungssituationen die Formate aufeinander bezogen eingesetzt werden und KollegInnen der unterschiedlichen Professionen vernetzt miteinander beraten.

Das Mediationsgesetz (MediationsG) und seine Verordnung zur Zertifizierung (ZMediatAusbV) hat zur weiteren Verwirrung beigetragen. Wegen der Verunsicherung in der Anwendung der Vorgaben bekommt Supervision bei den Verantwortlichen in der Ausbildung von MediatorInnen zunehmend mehr Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang kommen Begriffe und Definitionen von Supervision ins Spiel, die daraus schließen lassen, dass die Standards, Fachdiskurse der Profession Supervision nicht bekannt sind.

Im Zusammenhang mit dem Mediationsgesetz und der ZMediatAusbV hat Supervision zwar einen festen Platz in der Ausbildung und Qualitätssicherung für Mediatoren bekommen, doch reduziert die Verordnung die fallbezogene Beratung auf ein einmaliges Einzelgespräch im Anschluss an die durchgeführte Mediation. Aus professioneller Perspektive ist der Begriff Supervision für dieses Vorgehen falsch gewählt. Eine Sitzung im Einzelsetting zur Beratung der ersten eigenen Praxis und zur Qualitätssicherung, so wie es die Verordnung vorsieht, kann vermutlich nicht mehr leisten, als eine Fachberatung und Bewertung des Mediationsprozesses. Erst eine prozessbegleitende Supervision über mehrere Einheiten und möglicherweise auch in der Gruppe ermöglicht die komplexe Reflexion des beruflichen Handels in der Rolle als MediatorIn bezogen auf den Kunden, die eigene Person, die Fachlichkeit und die Rolle. Ein so unpräziser Gebrauch von Begriffen verstärkt die Unklarheit darüber, was Supervision eigentlich ist, reduziert den Nutzen, den Supervision für Berufsanfänger und Lernende haben könnte und versäumt den respektvollen Umgang mit einer Nachbarprofession.

Nun könnte die Gründung des Qualitätsverbundes Mediation (QVM) vor einigen Jahren Anlass sein, die Supervisionskonzeption mit den fachlichen Überlegungen der Nachbarprofession Supervision abzugleichen und die Standards zu präzisieren. Den fünf QVM-Partnerorganisationen, den Mediationsverbänden Bundesverband MEDIATION e.V. (BM), die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation e.V. (BAFM), der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt e.V. (BMWA), das Deutsche Forum für Mediation e.V. (DFfM) und die Deutsche Gesellschaft für Mediation e.V. (DGM) ist damit Großartiges gelungen.

Mit der 1. Frankfurter Erklärung vom 5. Mai 2019 stimmten die beteiligten Verbände (noch einmal) überein, eine gemeinsame Zertifizierungsstelle zu schaffen – eine zentrale Forderung nach Erlass des Mediationsgesetzes aus dem Jahre 2012. Sie dokumentierten ihr Vorhaben, die Qualität der Ausbildung von MediatorInnen in Deutschland durch hervorragende Standards zu sichern, durch die Veröffentlichung ihrer QVM-Standards am 18. Juni 2019  Diese Standards sind nicht nur angeglichen, sondern gehen weit über die Vorgaben des Mediationsgesetz hinaus und setzen sich damit deutlich ab. Die Verbände im »Qualitätsverbund Mediation (QVM)« könnten jedoch mit eindeutigeren Begriffen und Standards der Supervision im Rahmen der Ausbildung (Ausbildungssupervision) für mehr Klarheit sorgen.

Mit einer kleinen Einführung in die Geschichte der Supervision, der Professionalisierung dieses Beratungsformats bis heute und einer Beschreibung der verschiedenen Formen von Supervision sollen der Einsatzbereich, das Leistungsvermögen und die Grenzen von Supervision skizziert werden. Die ausbildungsbegleitende Supervision im Rahmen der Mediationsausbildung und die fallorientierte Supervision zur Qualitätssicherung nach der Ausbildung sind darin nur  kleine Ausschnitte im Leistungsspektrum von Supervision.

2. Definition

Für eine bessere Orientierung wird die Beschreibung von Supervision hier den weiteren Ausführungen vorangestellt.

Supervision ist neben der Organisationsberatung, dem Konfliktmanagement, der Fachberatung und dem Coaching ein Format berufsbezogener Beratung. Sie grenzt sich insbesondere durch den Arbeitsgegenstand (dem beruflichen Bezug), die Komplexität und Bearbeitungstiefe der Reflexion von den Nachbarprofessionen ab und wird im Gegensatz zur Mediation nicht bei Konflikten, sondern auf weniger hohem Eskalationsniveau eingesetzt.

Die besondere Qualität dieser personenbezogenen Beratung von Fachkräften und Führungskräften liegt im reflexiven Bearbeitungsmodus beruflicher Themen. Die Überprüfung und Verbesserung der Praxis, des beruflichen Handelns und der professionellen Interaktionen von Einzelnen und Organisationseinheiten sind Gegenstand der Beratung.

Supervision unterstützt die Wahrnehmung, Analyse, Reflexion und Veränderung der meist latenten Grundannahmen und Leitbilder – seitens der Person, aber auch der Profession, der Klienten oder auch der Organisation – die das berufliche Handeln beeinflussen. Genau diese Erforschung der un- und teilbewussten Steuerungsprogramme und die damit verbundene Tiefe der Reflexion machen das Besondere und weit über Alltagsreflexionen unter Kollegen Hinausgehende an einer professionell angeleiteten Supervision aus. Sie besteht in der Hinleitung zu einem komplexen Verstehen beruflicher Probleme und ihrer zugrundeliegenden Vorannahmen, Gewohnheiten und Leitbilder. Damit erst wird die Überprüfung des beruflichen Handelns, die Entwicklung von Handlungsalternativen und eine flexible und professionelle Gestaltung von Arbeits- und Klienten-/Kundenbeziehungen möglich.

3. Die Wurzeln der Supervision

Supervision hat verschiedene Ursprünge und eine ihrer ersten Wurzeln ist eng verbunden mit der Entwicklung der Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten und England im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die ehrenamtlichen Helfer (Volunteers) der ersten freiwilligen Wohlfahrtsangebote wurden von bezahlten Hauptamtlichen, den sogenannten Paid Agents, begleitet. Diese Begleitung fand in beratenden Gesprächen statt.

Die zweite Wurzel der Supervision liegt in der 1920 am Berliner Psychoanalytischen Institut eingeführten Kontrollanalyse. Im Rahmen dieser Säule der Psychoanalytikerausbildung stellten angehende Psychoanalytiker einem erfahrenen Ausbilder, dem Kontrollanalytiker, ihre Fälle vor. Diese Beratungen mit den »Meistern« ihres Faches bildeten lange eine der Grundfiguren der Ausbildungssupervision im Kontext von Beratung und Therapie.

Als dritte Wurzel der Profession wird die, von dem Psychiater und Psychoanalytiker Michael Balint in den 1940er-Jahren entwickelte Gruppenarbeit zur beruflichen Selbsterfahrung, genannt. Sein Anliegen war es, Ärzte dahingehend zu trainieren, sich selbst und ihre Gefühle als Instrument in der Behandlung von Patienten zu nutzen. Dieses Konzept der Balint-Gruppenarbeit hat heute in vielen Supervisionsansätzen immer noch einen zentralen Stellenwert.

4. Supervision heute

Mit der Professionalisierung und Akademisierung der Sozialarbeiterausbildung in Deutschland erhielt Supervision einen stärkeren Stellenwert in der Ausbildung. Damit wuchs in Deutschland der Bedarf an Supervisoren und ab 1964 entstanden erste Ausbildungsgänge. In den Folgejahren starteten viele Ausbildungsgänge an privaten Instituten und 1974 konnte man bereits an der Universität Kassel im ersten Diplomstudiengang für Supervision studieren. Bis dahin meist nur in sozialen Arbeitsfeldern bekannt und dort früh zur Qualitätssicherung, Professionalisierung und zum Gesundheitsschutz eingesetzt, wurde Supervision als berufsbezogene Beratungsform zur Verbesserung der beruflichen Handlungsfähigkeit in den letzten Jahren weiterentwickelt und weit über dieses Berufsfeld hinaus bekannt.

1989 wurde der Berufs- und Fachverband Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv) gegründet. Die Gesellschaft stellt sich als soziale und gesellschaftliche Akteurin vor, deren Engagement der Gestaltung einer modernen und verantwortbaren Arbeitswelt gilt. Über 4000 Mitglieder sowie 32 Akademien, Hochschulen und Weiterbildungs- und Beratungsinstitute sind in der DGSv als persönliche und juristische Mitglieder aktiv, um Supervision auf dem Beratungsmarkt und in der Fachöffentlichkeit in lebendigem Diskurs zu profilieren. Der Dialog zwischen den verschiedenen methodischen Schulen und die fachliche Auseinandersetzung mit den Nachbardisziplinen hat das Format Supervision sehr bereichert und klar profiliert. www.dgsv.de

Neben der DGSv gibt es noch theorie- und methodenorientierte Verbände, die neben anderen Formaten wie Therapie und Beratung auch Supervision unter ihrem Dach haben, wie z.B. die Systemische Gesellschaft (SG) u.a. Die DGSV zeichnet dadurch aus, dass sich dort SupervisorInnen mit den unterschiedlichsten akademischen Grundberufen, theoretischen und methodischen Ausrichtungen und aus den verschiedensten Felder der Arbeitswelt an einem methodenübergreifenden, wissenschaftlich fundierten und praxisorientierten Konzept für personen- und organisationsbezogene Beratungstätigkeiten in der Arbeitswelt orientieren und dieses weiterentwickeln.

5. Formen von Supervision und Präzisierung

Das Mediationsgesetz (MediationsG) und seine Verordnung (ZMediatAusbV) verlangen eine Präzisierung der Begriffe und Klarheit der Verbände in den Standards zur Ausbildungssupervision. Jürgen von Oertzen [1] hat mit verschiedenen Stellungnahmen und Veröffentlichungen nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass die von vielen Instituten praktizierte Gruppensupervision nach der Verordnung nicht zulässig ist und die Ausgestaltung der Supervision im Rahmen der Ausbildung dringend einer Klärung bedarf. Er skizziert die Problematik (und den Widerspruch zur Verordnung) einer professionellen Gestaltung von ausbildungsbegleitender Supervision als Fallsupervision in der Gruppe und regt an, die Begriffe Einzel-, Gruppen- und Fallsupervision zu klären und die Standards entsprechend zu präzisieren.

Diese Klarheit wird gebraucht, da sich im Feld Mediation Supervisionskonzepte auf sehr unterschiedlichem Niveau etabliert haben und Fachbegriffe missverständlich gebraucht werden. So, wie man sich zur Begriffsklärung und Klärung von Fachfragen rund um die Mediation an der Expertise von Mediation orientieren sollte, könnten sich die Mediationsverbände und Ausbildungsverantwortlichen bzgl. der Fragen rund um die Ausbildungssupervision den Fachdiskurs der Supervisoren zur Kenntnis nehmen.

Die folgende Systematik möchte aus dieser Perspektive einen Beitrag zur Begriffsklärung, für die weitere Diskussion zur Ausbildungs- und Fallsupervision, zur Präzisierung der Standards und bestenfalls zur Klarheit beitragen.

Die Verwendung der bewährten Unterscheidung zwischen Format, Programm und Setting ist hilfreich eine vergleichbare Beschreibung und bessere Verständigung:

5. 1 Formate.

In der berufsbezogenen Beratung unterscheidet man die Formate Konfliktmanagement, Supervision, Organisationsberatung und Coaching. Ein Beratungsformat verbindet unterschiedliche Programme zu einer Profession im Sinne eines gesetzlichen und/oder verbandlichen Rahmens. Das beinhaltet gesicherte Ausbildungswege, eine anerkannte gesellschaftliche Rolle, fachlichen Diskurs, wissenschaftliche Forschung und Qualitätsmanagement.

5.2 Programm

Als Programm wird die Untergliederung in den jeweiligen Formaten bezeichnet. Auf der Ebene unterhalb der Formate werden für die Bearbeitung der Kundenanliegen und Ziele verschiedene Programme ausgewählt. Programme beschreiben inhaltlich die spezifischen Phasen, Normverläufe und Settings.

5.3 Setting

Das Setting beschreibt die Zusammensetting des Beratungssystems. Die Supervision kann im Einzel- oder Gruppensetting stattfinden, es kann sich um die Beratung von Teams und Leitungsgruppen handeln, in die Vorgesetzte als Teil des Beratungssystem einbezogen werden oder um Supervision, als Teil eines größeren Beratungsprozesses. Dass Setting markiert nur die Zusammensetzung und nicht den Arbeitsgegenstand.

 

Im Beratungsformat Supervision gibt es folgende Programme:

  • Die kunden- oder klientenbezogene Supervision, auch Fallsupervision genannt.
  • Die Kontrollsupervision als spezifische Fallsupervision für ausgebildete BeraterInnen.
  • Die kooperationsbezogene Supervision, die häufig als Teamsupervision bezeichnet wird. Sie meint auch die Beratung von Abteilungen und Projektgruppen.
  • Die rollenbezogene Supervision, die häufig in der Einzelberatung zu Themen von Führung, Karriereplanung und Rollenklärung im Beruf stattfindet.
  • Die Organisationssupervision, die strukturelle und strategische Aspekte fokussiert.
  • Die Ausbildungssupervision zum Erlernen einer neuen Profession oder Methode.

 

6. Die Supervisionsprogramme im Einzelnen

6.1 Fallsupervision (klienten-/kundenbezogenen Supervision)

In der klienten-/kundenbezogenen Supervision, auch Fallsupervision genannt, werden aktuelle berufliche Themen in der Interaktion mit Kunden/Klienten und der beruflichen Aufgabe fokussiert. Supervision reflektiert das Vorgehen, die persönlichen Vorannahmen und latenten Steuerungsprogramme, hat Anteile von Selbsterfahrung und entfaltet für ein vertieftes Verstehen die Komplexität. Das Ziel ist die verbesserte Handlungsfähigkeit der BeraterInnen, eine gute Qualität für die Kunden und beinhaltet auch die Vorbereitung des weiteren Handels.

Supervision unterscheidet sich von anderen Formen der Fallbesprechung, wie z.B. der Praxisanleitung oder der kollegialen Fallberatung durch die Komplexität der Betrachtung und Reflexionstiefe.  

Fallsupervision kann als Einzelberatung oder in der Gruppe stattfinden. Die Auswahl des Settings orientiert sich an den Themen, dem Anlass und anderen Merkmalen. Beide Settings haben ihren eigenen Leistungsbereich.

6.2 Kontrollsupervision

Die Kontrollsupervision bietet einen Reflexions- und Lernort z.B. für ausgebildete MediatorInnen und BeraterInnen, um die eigene Praxis zu reflektieren, schwierige Beratungsprozesse zu besprechen, Routinen vorzubeugen und sich methodisch und persönlich weiterzuentwickeln. Auch bewährte Routinen bergen die Gefahr, dass Flexibilität verloren geht und innovative Impulse unterbleiben. Neben der Fallbesprechung kann es in der Kontrollsupervision auch um Fragen der Rollenklärung und des persönlichen Selbstmanagements gehen.

6.3 Team-Supervision (kooperationsbezogene Supervision)

Die kooperationsbezogene Supervision, häufig »Team-Supervision« genannt, ist eine besondere Form der Gruppensupervision für gemeinsam arbeitende Teams. Themen der Kooperation und Kommunikation stehen hierbei im Vordergrund. Die gemeinsame Handlungsfähigkeit, die Überprüfung und die Verbesserung der Aufgabenerfüllung, der Arbeitsteilung und der Kooperation an den Schnittstellen, sowie die Kommunikation zu beruflichen Themen in Bezug auf die bestmögliche Versorgung, Betreuung, Beratung der Klienten bzw. Kunden stehen im Mittelpunkt der Reflexion. Teamsupervision kann darüber hinaus das Kennenlernen, die Entwicklung von Strukturen, Regeln und Konzepten in neu zusammengesetzten Teams unterstützen.

Umfragen der DGSv bei Kunden von Supervision ergaben, dass die häufigsten Anlässe für Supervision in Teams Konflikte sind. Es mag erstaunen, dass viele Kunden Supervision und nicht Mediation nachfragen. Haben Konflikte bereits eine Dynamik entwickelt, die die Umsetzung der Arbeitsaufträge behindert und die Arbeitsatmosphäre und Zufriedenheit dauerhaft stören, ist für eine Konfliktbearbeitung in Teams die Mediation oder Konfliktmoderation als geeigneteres Konfliktbearbeitungsverfahren vorzuziehen. An dieser Schnittstelle ist die Kenntnis zum Nachbarformat und die Kooperation mit Mediator*innen professionell geboten. Ist die Problemlösungsfähigkeit und Kommunikationsbereitschaft nach einer Mediation wiederhergestellt, kann zurück zur Teamsupervision gewechselt werden. Hier erweisen sich Netzwerke aus verschiedenen Professionen und bewährten Kooperationen und Überweisungsverfahren als nützlich, um den Wechsel von Mediation und Teamsupervision gut zu gestalten.

6.4 Rollenbezogene Supervision

In der rollenbezogenen Supervision kann es um die Gestaltung der beruflichen Rolle im Spannungsfeld zwischen Person und Organisation gehen, um Planung der Karriere oder des Berufswegs und um Fragen bei der Übernahme einer neuen beruflichen Rolle. Coaching für Führungskräfte ist eine Form der rollenbezogenen Beratung, um die Ausgestaltung der Führungsrolle zu klären.

6.5 Organisationssupervision

In der Organisationssupervision beschäftigen sich Teams, Abteilungen und/oder Führungskräfte mit überwiegend organisationsrelevanten Fragestellungen. In der Beratung von Teams und größeren Organisationseinheiten bekam der Einbezug der Organisation einen immer größeren Stellenwert, weil es häufig die strukturellen Rahmenbedingungen sind, die die Arbeitsfähigkeit eines Teams beeinträchtigen. Gerade in der Organisationssupervision (aber nicht nur da) sind der Einbezug der Führung, die Kontrakte und die Rückkopplung mit der Organisation von entscheidender Bedeutung. Denn nur wenn die Organisation an den Lernprozessen beteiligt ist, kann es gelingen, organisatorische Veränderungen einzuleiten, die zu mehr Effektivität, Arbeits- und Kundenzufriedenheit führen.

6.6 Ausbildungssupervision

In der Ausbildungssupervision geht es um die supervisorische Begleitung von Ausbildungskandidaten, z. B. im Bereich Therapie, Mediation, Organisationsberatung sowie für Studenten der Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Psychologie. Das erste eigene berufliche Handeln und erste Fälle in der eigenen Beratungspraxis werden hier unter fachkundiger Beratung in Einzel- oder Gruppensettings begleitet. Dabei stehen Themen der eigenen Praxis, die Verbindung von Praxis und Theorie, die neue berufliche Identität und fachliche Fragen im Mittelpunkt.

7. Bemerkungen zu den Settings

7.1 Einzelsupervision

Einzelsupervision wird in der Regel gewählt, wenn persönliche Themen einer einzelnen Person im Mittelpunkt stehen, keine Kollegen die Themen teilen oder im Rahmen der Ausbildungssupervision die Dynamik des ersten eigenen Falls eine schnelle Begleitung nötig macht und eine Gruppe nicht zur Verfügung steht. Einzelsupervision wird häufig auch von Führungskräften genutzt, die sich selten mit Kollegen austauschen können und ihre Entscheidungen und Strategien in einem professionellen Rahmen reflektieren möchten.

7.2 Gruppensupervision

Gruppensupervision, bzw. genauer das Gruppensetting unterscheidet sich in die sogenannten »Stranger-Groups«, in Ausbildungsgruppen, Kollegengruppen und Teams. In den Stranger-Groups kommen TeilnehmerInnen aus verschiedenen Arbeitsfeldern und Organisationen zusammen, um sich mit ähnlichen Fragestellungen zu beschäftigen. Kontrollsupervisionsgruppen sind meist solche Stranger Groups, in denen ausgebildete MediatorInnen die regelmäßige Fallsupervision zur Entwicklung ihrer Professionalität, zur Vergewisserung des eigenen Vorgehens, zur Reflexion und Vermeidung von Verstrickungen mit den Kunden, zur Qualitätssicherung und zur persönlichen Burnout-Prophylaxe nutzen. Häufig anzutreffen sind Fallsupervisionen für Arbeitsteams, Projektgruppen und Abteilungen aus einer Organisation. Bei dieser Zusammensetzung ist das Vorgehen wegen der spezifischen Dynamik der Gruppe und aufgrund von Phänomenen der sozialen Spiegelung anders als in sonstigen Gruppen und komplexer.

Im Unterschied zur Einzelsupervision bietet die Gruppensupervision die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer Teilnehmer zu profitieren und auch die Gruppenprozesse für den persönlichen Lernprozess zu nutzen.

 

Hinweis: Passagen dieses Textes sind entnommen und aktualisiert aus den Büchern und Artikeln von Carla van Kaldenkerken: 

»Wo Supervision drauf steht, sollte auch Supervision drin sein.« SdM 46/2012

»Ausbildungssupervision im Kontext von Mediation.« SdM 52/2013

»Supervision und Intervision in der Mediation.« 2014

»Wissen was wirkt. Modelle und Praxis pragmatisch- systemische Supervision.« 2014

 

Vorschau: In Teil 2 werden die Voraussetzungen und Abgrenzungen der Ausbildungssupervision im Rahmen der Mediationsausbildung sowie der fallorientierten Supervision zur Qualitätssicherung nach der Ausbildung - unter Berücksichtigung der Vorgaben des Mediationsgesetzes (MediationsG) und der Zertifizierungsverordnung (ZMediatAusbV) – vorgestellt.

 

 

Autorin

Carla van Kaldenkerken

Carla van Kaldenkerken

Geschäftsführende Gesellschafterin der Beratungsfirma step

Dipl. Sozialpädagogin, Supervisorin, Coach, Ausbildungsleiterin einer DGSv-zertifizierten Ausbildung »Supervision und Coaching«, Lehrsupervisorin (DGSv), Mediatorin, Ausbilderin für Mediation (BM e.V.) Organisationsberaterin www.step-beratung.de

 



[1] Jürgen von Oertzen. Diskussionspapier zur BM- Ausbilderkonferenz Mai 2019 und Spektrum der Mediation SdM 77 – »Gruppensupervision nicht mehr zulässig.«

 

 

 

 

Literaturempfehlung 
Kaldenkerken: Supervision und Intervision in der Mediation
Kaldenkerken

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Details
38,20 €incl. MwSt.
Broschiert, 232 Seiten, im September 2014 erschienen