Synergien von Coaching und Mediation

Rückschau: Mediation und Coaching
Synergien von Coaching und Mediation

Interview mit Prof. Dr. Jutta Heller, Hochschule für angewandtes Management (HAM)

Prof. Dr. Jutta Heller

Mit ihrem Leitthema »Coaching heute: Zwischen Königsweg und Irrweg« wollten die Veranstalter des 3. Coaching-Kongresses die kritische Diskussion über Qualitätsaspekte im Coaching fördern und fortsetzen.

Sollten sich auch Mediatorinnen und Mediatoren an diesem Diskurs um die Qualitätskriterien ihrer Dienstleistungen, aber auch ihrer Aus- und Weiterbildung beteiligen? Half und unterstützte sie diese Veranstaltung dabei?

Wir befragten die Initiatorin und Organisatorin des Kongresses Frau Prof. Dr. Jutta Heller zu ihrer Bewertung unter dem Blickwinkel einer Coaching-Expertin. Sie verantwortet an der Hochschule für angewandtes Management (HAM) zusammen mit Prof. Triebel den Schwerpunkt »Business Coaching und Beratung« im Master-Studium Wirtschaftspsychologie.

Redaktion WMV: Frau Prof. Heller, zum dritten Mal begann der Coaching-Kongress Ihrer Hochschule für angewandtes Management (HAM) am 25. Februar 2016 in Erding. Im Fokus stand in diesem Jahr die kritische Diskussion um Qualitätsaspekte. Lag Ihnen Ihnen diese Fragestellung besonders am Herzen?

Prof. Dr. Jutta Heller: Bei Coaching als nicht geschütztem Begriff ist es besonders wichtig, ein Qualitätsbewusstsein für das eigene Tun zu entwickeln. Diesen Qualitätsanspruch vermitteln wir bereits unseren Studierenden im Schwerpunkt »Business Coaching & Beratung«. Ein Kongress bot eine wunderbare Plattform für vielfältige Impulse zum »state of the art«.

Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher »Coachingschulen« zeigten hier Ihr Können und stellten sich der Diskussion. Mit Methoden-Workshops, Live-Coachings oder Vorträgen wollten wir sowohl Einkäufer von Coaching-Leistungen, als auch die Coaches selbst motivieren, ihre Konzepte und Vorgehensweisen kritisch zu überprüfen. Aktuell zum 3. Kongress 2016 kam auf der Basis von früheren Kongressbeiträgen ein wissenschaftlich-praktischer Band zu Coaching heraus, wo wir Qualitätsaspekte für Coaching genauer analysieren konnten. Und mit unserem Themenschwerpunkt 2016 zum Einsatz digitaler Medien im Coaching gab es Klärungsbedarf zur Qualität von Coaching.

Redaktion WMV: Sollen sich auch Mediatorinnen und Mediatoren diesen kritischen Fragen stellen?

Prof. Dr. Jutta Heller: Alle beratenden Professionen im weitesten Sinne sollten sich regelmäßig der Diskussion und kritischen Selbst-Überprüfung zu den angewendeten Methoden oder Vorgehensweisen in Theorie und Praxis stellen. Beim Kongress 2016 wurden auch Poster zu neuen Forschungsergebnissen präsentiert, deren Nutzung Qualitätsvorteile – auch als Verkaufsargument – bieten konnten. Coaching und Mediation sind einerseits unterschiedlich, jedoch auch in vielen Punkten ähnlich, so dass Mediatorinnen und Mediatoren sicherlich auch von den Diskussionen beim Coaching-Kongress profitieren konnten. Hilfreich ist aus meiner Sicht immer der Blick über den Gartenzaun, um sich ggf. auch gegenseitig empfehlen zu können. Oft genug wird Coaching angefragt, aber eine Mediation wäre passender. Gleiches gilt aus meiner Erfahrung auch umgekehrt. Auch das ist eine Frage von qualitätsorientiertem Arbeiten.

Redaktion WMV: Empfehlen Sie generell das Knowhow des Coaching als unterstützende oder sogar notwendige Schlüsselkompetenz für Mediatorinnen und Mediatoren?

Prof. Dr. Jutta Heller: Zuerst einmal: Die »eine« Coaching-Methode existiert ja als solche sowieso nicht - Coaching ist schon aus seinem Grundgedanken heraus eklektisch. Jede Form von Coaching aber, die den Standards der »Profession Coaching« genügen kann, trägt zu einer guten Beziehung, einer Problem- bzw. Themenklärung, der Ressourcenaktivierung, der Klärung der Motivation und letztlich einer Problembearbeitung bzw. Lösungsorientierung bei. Diese Wirkfaktoren sind sicherlich ebenso nützlich in einem Mediationsprozess.

Daher würde ich Ihre Frage definitiv so beantworten: das Handwerkszeug eines/einer guten Coach/es ist definitiv bereichernd auch für alle anderen beratenden Dienstleistungen.

Redaktion WMV: Welche interdisziplinären Highlights erwarteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmerin bei ihrem Kongress 2016?

Prof. Dr. Jutta Heller: Als Schwerpunktthema hatten wir auf diesem Kongress die Digitalisierung gewählt; das betrifft ja schon seit längerem alle Branchen – nicht nur das Coaching.
Wir beschäftigten uns mit der Frage, wie ein Prozess, der auf den ersten Blick so stark von der persönlichen Beziehung abhängt, von der Digitalisierung beeinflusst und im besten Falle sogar bereichert werden kann. Sie hatten ja selbst auch mit Dr. Kreuser gesprochen, dessen Vortrag – sozusagen als Konterpart – von einer Keynote von Prof. Dr. Triebel ergänzt wurde, in der dieser sich Pro-Digitalisierung ausspach.

Außerdem gab der »Erfinder des E-Coachings«, Prof. Dr. Geißler, einen Überblick über die aktuellen Vermarktungsräume, die digitale Medien eröffnen. In zahlreichen Vorträgen und Workshops und auch bei unseren Ausstellern konnten die KongressteilnehmerInnen digitale, virtuelle, online-basierte Instrumente für die Praxis kennenlernen und ausprobieren: Beispielsweise virtuelle Beratungsräume oder ein videobasiertes Evaluationsprogramm für Interventionen.

Redaktion WMV: Hatten Sie einen besonderen Favoriten?

Prof. Dr. Jutta Heller: Wir hatten 55 Bewerbungen für knapp 30 Beitragsmöglichkeiten. Das Programm war aus meiner Sicht bunt und kontrastreich. Sehr gespannt war ich jedoch auf Jörg Middendorf, der zwei Live-Coachings mit einem/einer KlientIn aber unterschiedlichen Methoden durchführen konnte.
Spannend war auch der Beitrag von Klaus Eidenschink. Er sprach in seiner Keynote über die Kunst, bei KlientInnen Veränderungen zu bewirken, statt nur Methoden anzuwenden. Sein »Versuch einer Methodenintegration« konnte ein Konzept darlegen, wie Methoden nicht nur addiert werden, sondern neue Handlungsmöglichkeiten schaffen.

Egal ob es um Coaching oder Mediation geht, wir sollten unsere Arbeit so gut machen, dass sie den Menschen nützt. Und genau dazu konnte der Kongress ein qualitätsorientierter Beitrag sein.

Redaktion WMV: Auch an Sie die Frage »Quo vadis Mediator oder Coach?« – ein Blick nach vorne. Welche Qualitäten und Kompetenzen empfehlen sich Ihrer Meinung nach für erfolgreiche Mediatoren und Mediatorinnen ebenso wie für Coaches?

Prof. Dr. Jutta Heller: Man nehme eine Prise Empathie, Kreativität, Geduld und würze dies mit Neugier... Menschen, die mit Menschen arbeiten, um sie in irgendeiner Form bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen, sollten sich vor allem ihre Offenheit für Neues bewahren. Sie brauchen Lust am Immer-Dazu-Lernen und mentale Flexibilität, die ihnen erlaubt, sich auf Andere einzulassen und sie auf dem Weg zum persönlichen Ziel ein Stück weit zu begleiten. Das ist das bisherige »Rezept«. Und wenn digitale Medien als unterstützende Möglichkeiten im Coaching- oder Mediationsprozess dazukommen, dann brauchte es genau dafür weitere Kompetenzen, die wir noch konkretisieren müssen.

Redaktion WMV: Frau Prof. Heller, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
(Das Interview führte Jürgen G. Heim, Leitung Redaktion Mediation aktuell)

 

Hinweis

 

 

Coaching Kongress

 

Am 25.-26. Februar 2016 findet in Erding der dritte Coaching-Kongress der Hochschule für angewandtes Management (HAM)statt.

Weitere Informationen (Programm, Anmeldung) erhalten Sie hier.