Die Viadrina und der Mediator als Organ des Rechtsfriedens

Ausbildung
Die Viadrina und der Mediator als Organ des Rechtsfriedens

Ein persönlicher Erfahrungsbericht

von Lic. rer. publ. Stefan Graf Finck von Finckenstein M.A., LL.M.

Viadrina Hochschule

Die Organe der Rechtspflege sind uns wohlvertraut. Seit meinem Studium in Frankfurt an der Oder kenne ich nun auch das Organ des Rechtsfriedens: den Mediator bzw. die Mediatorin. Diese Betrachtung jedenfalls ist mein Resümee aus dem berufsbegleitenden postgradualen Master-Studiengang »Mediation und Konfliktmanagement« an der Europa-Universität Viadrina. Das interdisziplinär angelegte Studium vermittelt neben einer fundierten praktischen Mediationsausbildung umfassende theoretische Kenntnisse aus den verschiedenen Bereichen der noch jungen Mediationswissenschaft.

In direktem und sehr zugewandtem Dialog lehren die Dozenten in Präsenzseminaren mit einer Gruppengröße von 15 bis 25 Studierenden die komplexe Materie, die anschließend in intensivem Eigenstudium zu vertiefen ist. Der seit 2003 an der Juristischen Fakultät der Viadrina bestehende und mit dem Forschungsinstitut für Anwaltsrecht der Humboldt-Universität zu Berlin kooperierende Studiengang steht Personen mit Hochschulabschlüssen aller Fachrichtungen offen. Je nach Vorbildung und gewählter Ausrichtung kann er nach drei bis vier Semestern mit dem Master of Laws (LL.M.) oder dem Master of Arts (M.A.) abgeschlossen werden. Während die ersten beiden Semester allgemeine theoretische Inhalte und praktisch einsetzbare mediative Fähigkeiten vermitteln, dient das dritte Semester nicht nur der Spezialisierung und professionellen Qualifizierung in den Schwerpunktwahlfächern Wirtschaft, Psychologie, Staat und Gesellschaft sowie Internationales Konfliktmanagement und Friedensmediation, sondern auch dem Verfassen der Masterarbeit zu einem frei gewählten Thema.

Die in der Hochschulschriftenreihe der Viadrina veröffentlichten Masterarbeiten sind hier einsehbar.

Die Lehrveranstaltungen finden meist in Frankfurt an der Oder und teils in Berlin statt. In drei Präsenz-Theorie-Modulen werden theoretische Grundlagen und Modelle vermittelt und in ihrer Relevanz für die mediatorische Tätigkeit diskutiert. Zudem durchlaufen die Teilnehmer im Rahmen des Studiengangs eine vollständige praktische Mediationsausbildung, in der grundlegende Fähigkeiten durch praktische Erfahrung, kontinuierliche Übungen und deren begleitende Reflexion erworben und verfeinert werden. Bereits absolvierte Ausbildungen können hier angerechnet werden. Die Präsenzseminare erfüllen die Vorgaben für eine Zertifizierung nach der Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (ZMediatAusbV, BGBl. I 2016, 1994) ebenso wie die Standards für eine Anerkennung des Bundesverbandes Mediation e. V. Für die Gesamtausbildung fallen Studiengebühren in Höhe von 9.900 € an, die sich bei bereits vorhandener Mediationsausbildung auf 6.600 € reduzieren und in drei Teilbeträgen erhoben werden. Für mich war die Möglichkeit der Teilnahme an diesem einzigartigen Masterprogramm eine sinnvolle Investition in die berufliche und persönliche Zukunft.

Die Inhaberin der Professur für Mediation, Konfliktmanagement und Verfahrenslehre, Prof. Dr. iur. Ulla Gläßer LL.M. leitet den Studiengang gemeinsam mit ihren Kollegen Dr. iur. Felix Wendenburg M.B.A. und den Dipl.-Psychologinnen Nicole Becker und Kirsten Schroeter. Sie sieht den Studiengang als »lernende Organisation« und mit dieser entspannt in die Zukunft der Mediation, wenn sie sagt: »Unser Programm hat sich zum lebendigen Organismus entwickelt, weil wir von und mit unseren Studierenden und Alumni ebenso viel lernen, wie sie von uns.«

Das Niveau der Teilnehmer ist ähnlich hoch wie deren akademische Hintergründe vielfältig sind: Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sind natürlich immer vertreten. In meinem durchaus international aufgestellten Abschlussjahrgang fanden sich unter den etwa 50 KommilitonInnen auch eine Mezzosopranistin aus Berlin, ein Filmemacher mit Professur in Korea, eine Japanologin, ein Tierarzt mit finnischen Vorfahren, eine Professorin für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, eine Mitarbeiterin der OSCE aus Wien, ein Kriminalkommissar, zwei Richterinnen, ein Diplomat aus Genf und eine in Theoretischer Medizin promovierte evangelische Militärdekanin. Gerade dieser bunte Strauß an Lebenserfahrung und unterschiedlichsten Berufsbildern ist es, der in Verbindung mit dem hohen Anspruch der Ausbildung die Studierenden mit vielen neuen Erkenntnissen versorgt und deren professionelle Basis nachhaltig stärkt.

Als Verleger mit wissenschaftshistorischen, publizistischen, kaufmännischen und juristischen Ausbildungswurzeln, der durch sein Amt als Handelsrichter für Mediation und Konfliktmanagement sensibilisiert wurde, fühlte ich mich in der verständigen und mediativen Gemeinschaft des Studiengangs stets wohlaufgehoben. Mein neben dem Fortbildungserfolg erzielter zusätzlicher Gewinn liegt im erweiterten Fokus der persönlichen Welt- und Wertebetrachtung, die mich in der Zusammenschau des Studiums zu dem eingangs formulierten Gedanken gebracht hat. Darüber hinaus haben sich neue freundschaftliche Beziehungen in einem Netzwerk entwickelt, das auch über den Partnerstudiengang Master's Program on Mediation der Universität Kopenhagen und den Verein zur Förderung von Wissenschaft und Praxis der Mediation gepflegt wird: www.wissenschaft-praxis-mediation.de

Insgesamt hat mich das Studium vollkommen überzeugt und mit vielen neuen Kenntnissen und Fähigkeiten auch über den beruflichen Horizont hinaus versorgt. Als ich kurz vor der mündlichen Abschlussprüfung von einer Richterin am Brandenburgischen Verfassungsgericht den Satz hörte »Die Viadrina ist das Stanford der Mediationswissenschaft«, war ich sehr zufrieden. Mein herzlicher Rat für nun Interessierte: Auf nach Frankfurt an der Oder ! – Das ist gar nicht weit, wenn man bedenkt, dass andere Studierende aus Peking, Bielefeld, New York, Wien, dem Aargau und Seoul anreisen. Schöne Unterkünfte gibt es zu beiden Seiten der Oder und an Kultur und Geschichte ist Frankfurt reich: Heinrich von Kleist wurde hier geboren und für Carl Philipp Emanuel Bach, die Gebrüder Humboldt und Ulrich von Hutten – um nur einige Beispiele aus der imposanten Stadtgeschichte zu nennen – war die Odermetropole eine wichtige Wirkungsstätte. Dies lag nicht zuletzt an der herausragenden Bedeutung der 1506 gegründeten Brandenburgischen Universität Frankfurt, in deren Tradition sich die Viadrina mit ihrem Motto »Ex oriente lux« (Aus dem Osten kommt das Licht) auch heute versteht.

Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder),

 

Autor

Stefan Graf Finck von Finckenstein

Lic. rer. publ., LL.M., M.A., ist Wissenschaftshistoriker, Verleger und zertifizierter Mediator. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft studierte er Rechtswissenschaften und Publizistik sowie Wissenschaftsgeschichte und Technikgeschichte; 2018 schloss er den Masterstudiengang Mediation und Konfliktmanagement an der Europa-Universität Viadrina ab.

 

 

 

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