Wertschöpfung durch Mediation – Reduktion der Konfliktkosten

WIRTSCHAFTSMEDIATION in Österreich
Wertschöpfung durch Mediation – Reduktion der Konfliktkosten

Internationale Fachtagung zur Wirtschaftsmediation an der Universität Linz

Internationale Fachtagung zur Wirtschaftsmediation (Universität Linz)

»Kosten möglichst gering zu halten und damit auch die Kosten von Reibungsverlusten zu minimieren, wird für Unternehmen angesichts des zunehmenden Wettbewerbs, des schwierigeren konjunkturellen Umfelds sowie der veränderten Kreditkonditionen auf den Finanzmärkten immer wichtiger. Kostenreduktion muss überall ansetzen.« so die Konfliktkostenstudie der KPMG.

Die Datenbasis dieser Studie stammt von den ausgewerteten Antworten von 111 Unternehmen. KPMG findet neun Konfliktkostenbereiche, die sich zusammenfassen lassen im »Circle of conflikt« von »Person«, »Team« und »Organisation«. In allen drei Bereichen entstehen durch Konflikte ungeplante Einbußen in unterschiedlicher Höhe. Den meisten Unternehmen fällt es schwer, konkrete Zahlen zu nennen.
Am teuersten sind laut dieser Umfrage gescheiterte und verschleppte Projekte: Jeder zweite Befragte gibt dafür ungeplant pro Jahr mindestens 50.000 Euro aus; jeder Zehnte sogar über 500.000 Euro. (S. 7 Konfliktkostenstudie, KPMG, 2009).

Zusammenfassend stellt die Studie fest:

• Zehn bis 15 Prozent der Arbeitszeit in jedem Unternehmen werden für Konfliktbewältigung verbraucht.
• 30 bis 50 Prozent ihrer wöchentlichen Arbeitszeit verbringen Führungskräften direkt oder indirekt mit Reibungsverlusten, Konflikten oder Konfliktfolgen.
• Fehlzeiten aufgrund betrieblicher Ängste und Mobbing am Arbeitsplatz belasten Unternehmen jährlich mit ca. 30 Milliarden Euro.
• Die Kosten pro Mobbingfall summieren sich im Durchschnitt 60.000 Euro.
• Fluktuationskosten, Abfindungszahlungen, Gesundheitskosten aufgrund innerbetrieblicher Konflikte belasten Unternehmen jährlich mit Ausgaben in Milliardenhöhe.
• Ein Prozent der Mitarbeiterkosten p. a. gehen für unverarbeitete Konflikte verloren.
• Ca. 25 Prozent des Umsatzes hängen von der Kommunikationsqualität ab.

Nach Auswertung dieses Datenmaterials ist es nicht verwunderlich, dass die vorliegende Studie von einem Reduktionspotenzial bei Konfliktkosten pro Jahr von mindestens 25 Prozent ausgeht.(S. 20, Konfliktkostenstudie, KPMG, 2009)

Konflikte verursachen vermeidbare Einbußen – kann die Wirtschaftsmediation zu einer Reduzierung beitragen?

Unter dem Leitthema »Wertschöpfung durch Mediation« sprachen am 18.6. 2015 international ausgewiesene Referenten und national erfahrene ExpertInnen im Rahmen einer Tagung an der »Friedrich Kepler Universität Linz«.

(JH)

Lesen Sie hier den Bericht der Mitorganisatorin Mag´a Sandra Thaler.

WIRTSCHAFTSMEDIATION in Österreich
Wertschöpfung durch Mediation

1. Spezialisierte WirtschaftsmediatiorInnen

In Österreich werden laut Grobeinschätzungen jährlich rund zehntausend Wirtschaftsmediationen abgewickelt. Die Nachfrage von Unternehmen nach Mediation und mediativen Tools zur Lösung von Konflikten mit anderen Unternehmen (B2B) oder Konsumenten (B2C) steigt. Von rund zweitausendfünfhundert in der Liste des Bundesministeriums für Justiz eingetragenen Mediatoren in Österreich sind zirka 240 auf Wirtschaftsmediation spezialisierte ExpertInnen (Experts Group Wirtschaftsmediation Ubit/WKO).

2. Kosten durch ungelöste Konflikte

»Ungelöste Konflikte generieren in Unternehmen Kosten. Das betrifft in hohem Ausmaß die verlorene Arbeitszeit, die durch unproduktives Arbeiten oder Fehlzeiten verloren geht«, weiß Alexander Insam, Autor zweier Konfliktkostenstudien und Speaker der oberösterreichischen Fachtagung »Wertschöpfung durch Mediation« am 18. Juni 2015 an der Universität Linz.
Die Studien weisen auf die hohe Anzahl der verdeckten Konfliktkosten durch verschleppte Projekte oder unmotivierte MitarbeiterInnen hin, die mitunter »Dienst nach Vorschrift« verrichten oder bereits innerlich gekündigt haben.

Konfliktkosten sind mithilfe des Circle of Conflict-Modells in den Dimensionen
• Person (Fluktuation, Fehlzeiten),
• Team (Projektarbeit, entgangene Aufträge, Kunden- und Lieferantenfluktuation) und
• Organisation (Anreizsysteme, Über- und Unterregulierung, Arbeitsrechtliche Maßnahmen)

zu messen.

Sichtbare Konfliktkosten sind reduzierbar. Interpersonale Konflikte, beispielsweise Streit zwischen Gesellschaftern, sind im klassischem Setting der Mediation lösbar. Die beteiligten Personen werden mithilfe vom neutralen Dritten zur Lösung angeleitet (WIN-WIN-Situation). Dauerkosten verursachende strukturelle Konflikte können im Rahmen mediativ begleiteter Organisationsentwicklungsprojekte zu fruchtbaren Veränderungsprozessen führen und zielen auf die Steigerung der Motivation im Unternehmen ab.

3. Mediation bei Betriebsübergabe

Die österreichische Unternehmenslandschaft besteht zu mehr als 50 Prozent aus Familienunternehmen. Die Komplexität durch wirtschaftliche und familiäre Interessen bzw. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen nährt die Störanfälligkeit in Betrieben.

»Bei der Entwicklung eines Nachfolgekonzeptes kann Mediation oder der Einsatz derartiger Techniken sehr hilfreich sein, weil persönliche und wirtschaftliche Aspekte in Einklang gebracht werden.« - davon ist Prof. Claus Hipp, Marktführer und Produzent der Babynahrung, fest überzeugt. Mediation trägt zudem dem Gerechtigkeitsbedürfnis der Beteiligten auf besondere Weise Rechnung, weil im Verfahren neben den rechtlichen Regelungen auch die individuell erbrachten Leistungen und persönlichen Bedürfnisse der Beteiligten mit einbezogen werden.

4. Mediation am Arbeitsplatz und mediative Trainings

MediatorInnen vermitteln österreichweit Tools in Führungskräfte- und Mitarbeitertrainings, die auf den jeweiligen strategischen und operativen Ebenen anwendbar sind. Betriebsvereinbarungen, wie Mitarbeiter und Führungskräfte mit Konflikten besser umgehen können, finden sich in diversen Unternehmen im DACH-Bereich. Inhalte sind arbeitsrechtliche Themen wie z. B. Mobbing und die Anleitung zur Inanspruchnahme von alternativen Konfliktlösungsmethoden wie Mediation, Beschwerde- und Beratungsrecht bei einzelnen Dienstgebern. Beispiele dafür sind die BV zur Konfliktkultur des Landes OÖ oder der Stadt Graz.

5. Fazit:

Mediation ist kosteneffizient und allen Konfliktparteien nützlich. Der Präsident der österreichischen Nationalbank und langjähriger Topmanager Dr. Claus Raidl sagt: »Ich würde mir wünschen, dass die Mediation als Instrument zur Konfliktlösung in der Wirtschaft noch bekannter wird, weil sie noch viel zu wenig eingesetzt wird«. In diesem Sinne wird in Oberösterreich auf eine noch intensivere, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen MediatorInnen, Wirtschaftskammer, RechtsanwältInnen, SteuerberaterInnen, Notaren und weiteren Stellen gesetzt.

 

 

Autorinnen


Mag. Sandra Thaler (Bericht der Tagung) www.mediation-ooe.com
Seit 2004 als eingetragene Mediatorin international tätig
Landessprecherin ÖBM OÖ, Organisatorin Fachtagung Wirtschaftsmediation am 18.6.2015


Birgit Peitl (Zusammenfassung) www.talk2gether.at
Landessprecherin Stv. ÖBM OÖ, Organisatorin Fachtagung Wirtschaftsmediation am 18.6.2015