Die Zukunft von Mediation und Beratung in der Wirtschaft

3. Konferenz der Gesellschaft für Systemdesign
Die Zukunft von Mediation und Beratung in der Wirtschaft

Keynotevortrag Prof. Dr. Rudolf Wimmer bei der GRUNDIG AKADEMIE in Nürnberg

(Bericht Teil 1)

Prof. Dr. Rudi Wimmer bei der GRUNDIG AKADEMIE in Nürnberg

 

 

 

 

Befinden wir uns auf dem Weg in die »nächste Gesellschaft«?

Muss sich das Verständnis von Führung und Management auf eine neue Komplexität ausrichten?

Mit dieser Einleitung thematisierte Prof. Dr. Rudolf Wimmer, Vizepräsident der Universität Witten/Herdecke, die Leitfragen zur Zukunftsfähigkeit von Organisationen bei der 3. Konferenz der Gesellschaft für Systemdesign, veranstaltet von der GRUNDIG AKADEMIE in Nürnberg

 

 

 

1. Ausgangsbestimmung

Die Verwendung des Begriffs »next society« liegt nach den Ausführungen von Prof. Wimmer nahe: Die Umschreibung »Industrie 4.0« kennzeichnet einen industriellen Übergang in die Produktions- und Handelsprozessee der »nächsten Gesellschaft«, der auch zu starken gesellschaftlichen Veränderungen führt. Damit verbunden ist ein Strukturwandel, dessen Richtung nach Prof. Wimmer zwar noch nicht abschließend festliegt, der aber bereits zu feststellbaren Verunsicherungen führt.

Neue Medien mit ihren neuen Verbreitungs- und Veröffentlichungsmöglichkeiten und ihren veränderten Kommunikationswegen treiben diese Entwicklung auch heute an. Sie versetzten unsere Gesellschaft seit Jahrhunderten in die Lage, sogenannte Funktionssysteme zu verselbständigen und aus anderen Kontexten herauszulösen - z. B. die Wissenschaftssysteme und ihre Wissensbestände aus dem Klammergriff der Religion oder die (privaten) Wirtschaftssysteme und ihre Produktionsabläufe aus den tradierten Feudalstrukturen.

Die Leistungen dieser Funktionssysteme werden nicht durch sie selbst erbracht, sondern durch unterschiedliche Organisationen; so zum Beispiel im Gesundheitswesen arbeitsteilig durch spezialisierte Gesundheitsorganisationen.

Kennzeichnend für unsere moderne Gesellschaft war bisher, dass die einzelnen Systeme - ausgerichtet nach nach ihrer Funktionalität - differenziert agierten.  Klar war auch die bisherige Rolle von Organisationen in den übergeordneten Systemen wie der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft etc..

Heute nimmt die Komplexität der arbeitsteiligen Strukturierung ständig zu und eine Vielzahl von Problemen entsteht »kollateral« als Begleiterscheinung.

Erleben wir gerade Anzeichen einer strukturelle Änderung für einen möglichen Formwechsel auf gesamtgesellschaftlicher Ebene, lautet die Frage von Prof. Wimmer.

2. Formwechsel

Zeitliche und räumliche Schranken werden durch den Prozess der Globalisierung mehr und mehr aufgehoben. Wir erleben, so Prof. Wimmer, das Zusammenwachsen zu einer Weltgesellschaft und die damit verbundenen Spannungen. Diese Weiterentwicklung von lokalen zu globalen Funktionssystemen innerhalb nur einer Generation ist in den wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Bereichen besonders gut zu beobachten.

Einer der zentralen Treiber dieser Entwicklung ist die enorme Qualität der computerbasierten Kommunikationsmöglichkeiten als neue Verbreitungsmedien. Der schnell voranschreitende Prozess der Digitalisierung führt zu tiefgreifenden Transformationswirkungen in unserer Gesellschaft.

Gleichzeitig resultieren aus der Globalisierung unübersehbar tiefgreifende ökologische Gefährdungen unserer Lebensgrundlagenslagen. Prof. Wimmer weist zurecht darauf hin, dass unsere hochentwickelte Gesellschaft trotz dieses Wissens immer noch nicht in der Lage ist, daraus die richtigen Schlüssse zu ziehen. Unter diesem Aspekt wächst das Erfordernis, unser Wachstum – derzeit noch zentrale Grundlage unserer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik - neu zu definieren und handlungsorientierte Lösungspotentiale zu entwickeln.

Angesichts dieser Entwicklungen werden Lösungsansätze, die über verschiedene Funktionssysteme hinweg ineinandergreifen, immer dringlicher. Um diese Ziele zu errreichen, bedarf es in der Folge auch einer veränderten Funktion von Organisationen in diesen Prozessen. Weg von einem rein funktional begrenzten Agieren hin zu einem verstärkten Miteinander von netzwerkförmigen Strukturen der Organisationsformen im herkömmlichen Sinne. Dies stärke und unterstütze die dringend erforderliche Leistungsfähigkeit.

Müssen wir nun, so Prof. Wimmer, die Bereiche Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Gesundheit etc. und ihr Verhältnis zueinander neu überdenken?

3. Neubestimmung

Auf der Makroebene der Wirtschaftssysteme haben wir in jüngster Vergangenheit die Gefahren einer globalen Wirtschaftskrise erlebt. Hier müssen also globale Koordinationsmechanismen gestärkt werden, um derart systemische Risiken des Finanzsystems einzudämmen.

Folgerichtig fordert Prof. Wimmer die Wiederherstellung eines »gesunden« Verhältnisses von Finanz- und Realwirtschaft. Es müssen wieder tragfähige Spielregeln für die internationale, wirtschaftliche Verflechtung aufgestellt werden, die den neuen Gewichten auf globaler Ebene Rechnung tragen. So kann beispielsweise eine regulatorische staatliche Steuerpolitik die destruktiven Seiten eines Standortwettbewerbs disziplinieren.

Welche Konsequenzen hat dies nun für das Funktionsverständnis von Organisationen (Unternehmen, öffentliche Verwaltung, Krankenhäuser, Universitäten etc.)?

4. Konsequenzen

In der Konsequenz, führte Prof. Wimmer aus, sind Sinn und Zweck von Unternehmen neu zu überdenken. Wir müssen uns von der Idee einer reinen Gewinnoptimierungsmaschine verabschieden. Vielmehr ist der eigene Verantwortungshorizont des Unternehmens im Sinne eines breiteren Verständnisses von Wertschöpfung zu stärken und zu erweitern. Weg von einer reinen Gewinnmaximierung hin zur Beachtung des Gedankens der sozialen Nachhaltigkeit im globalen Kontext.

Diese strategische Neupositionierung führt auch in der staatlichen Verwaltung zu einer neuen Richtung der konsequenten Wirkungsorientierung. Prof. Wimmer fordert hier einen neuen Umgang mit Wachstumsanforderungen und der Nutzung von Ressourcen.

Was sind nun die wesentlichen Schlussfolgerungen für die Gestaltung von Organisation, Führung und Management nach Prof. Wimmer?

Welche Folgen sind für Berater und Wirtschaftsmediatoren besonders relevant?

Wo liegen hier zukünftig die Chancen für Berater und Mediatoren?

Die Antworten lesen Sie demnächst in Teil 2 dieses Berichts.

 

 J. G. Heim 

 

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