Zweifelhafte Messung von Ausbildungsinstituten

Institute und Hochschulen
Zweifelhafte Messung von Ausbildungsinstituten

zum Vergleich der Stiftung Warentest

Zweifelhafte Messung von Ausbildungsinstituten

Qualität und Qualitätssicherung sind derzeit große und zweifellos wichtige Themen in der Mediationslandschaft. Dazu gehört auch und vielleicht gerade die Qualitätssicherung der Mediationsausbildungen. Der Markt für Mediationen und für Mediationsausbildungen ist schnell gewachsen; da ist es nicht leicht, die Übersicht zu behalten: Wer bietet was und mit welcher Qualität?

Ein aktueller Vergleich der Stiftung Warentest vom März 2013 versucht einen Marktüberblick. Von 298 angeschriebenen Ausbildungsanbietern haben die Hälfte geantwortet; ganze 45 erfüllen die von einem einzelnen Gutachter erarbeiteten Kriterien, deren Messung und Bewertung allerdings nur teilweise beschrieben wird. So wird etwa verlangt, 45% der Unterrichtszeit auf sogenannte »Softskills« zu verwenden, aber wie wird das gemessen? Und warum dürfen nur Akademiker und Menschen mit »vergleichbarer« Ausbildung Mediatoren werden? Von den Kriterien für die »Praxisnähe« einer Ausbildung werden nur zwei benannt: Rollenspiele sind unstrittig wichtig, aber wäre statt der Forderung nach einem dokumentierten Fall nicht wichtiger zu nennen, ob der Anbieter die Teilnehmer dabei unterstützt, überhaupt an echte Aufträge zu kommen? Irreführend ist auch, dass die Heimarbeitszeiten, die bei den 1800 Ausbildungs-Stunden einer Universität enthalten sind, mit den reinen Präsenz-Zeiten verglichen werden, die andere Anbieter nennen (die Stiftung Warentest überprüft derzeit nach eigenen Angaben, ob hier ein Fehler vorliegt). Aussagekräftigere objektive Daten fehlen in der Darstellung: Seit wann führen die Anbieter Ausbildungen durch? Wie viele Teilnehmer sind es je Trainer? Und vor allem: Wie sind die Ausbilder qualifiziert?

Es ist zu begrüßen, dass die Stiftung Warentest sich dieses Themas angenommen hat und so zur Diskussion über Qualität in der Mediationsausbildung und damit auch in der Mediation beiträgt, die vielen professionellen Mediatoren ein großes Anliegen ist. Insgesamt ergibt sich aber eine zweifelhafte Auswahl von Instituten; viele etablierte und angesehene Anbieter sind in der Druckversion der Anbietertabelle nicht aufgeführt. Interessenten bleiben vorläufig darauf verwiesen, selbst zu überlegen, was ihnen an einer Mediationsausbildung wichtig ist (vgl. dazu Wie finde ich die passende Mediationsausbildung?) und sich bei den einzelnen Anbietern intensiv zu informieren.

Unser Autor Jürgen von Oertzen absolvierte gezielt mehrere Mediations-Ausbildungen bei unterschiedlichen Anbietern: »Diese Auflistung hätte mir bei der Auswahl nicht geholfen«, merkt er an. »Die Kursteilnehmer verfolgen ganz unterschiedliche Ziele mit der Ausbildung; das wird hier gar nicht berücksichtigt«, so von Oertzen, der heute auch selbst als Mediationsausbilder aktiv ist.

 

 J. G. Heim